Bhakti Weltansicht

Andere Wege

Die Veden erklären, dass jedes menschliche Bemühen, materiell oder spirituell, in vier Kategorien fällt:
  • Arbeit für persönlichen Gewinn in dieser oder der nächsten Welt (karma);
  • Das Streben nach Wissen über die letztendliche Wahrheit – verbunden mit dem Wunsch, die Identität aufzugeben, indem man mit einer angenommenen spirituellen Einheit verschmilzt (jnana);
  • Versuche, durch körperlichen Yoga oder Meditation spirituell zu erwachen;
  • Hingabe zu Gott (bhakti)
  Der durch andere Bemühungen erlangte Nutzen ist der Gottesliebe untergeordnet, weil (1) das Glück, welches wir in dieser Welt anstreben, von Natur aus flüchtig ist, (2) führungslose oder irregeleitete Forschungen nach dem Ziel des Lebens früher oder später in Aussichtslosigkeit und Frustration enden, (3) selbst Meisterschaft im Yoga uns nicht Gott näher bringen kann. Gott ist eine Person, und Er erwidert nur reine Liebe.   In allen Religionen und Schriften der Welt, einschließlich der Veden, finden wir Hinweise auf diese Arten von Bemühungen. Doch die höchste Lehre in allen Schriften ist Bhakti oder Liebe zu Gott. Zwar können die anderen Methoden helfen, uns voranzubringen, doch letztendlich besteht das Ziel darin, reine Liebe zu Gott zu erlangen. Nur sie kann uns voll zufrieden stellen. Und nirgends ist die Wissenschaft der Bhakti klarer und ausführlicher erklärt als in den Schriften der vedischen Tradition, insbesondere dem Srimad-Bhagavatam.
Dharma und Religion
Bhakti ist nicht das Dogma oder der Glaube einer bestimmten Religion. Bhakti lässt sich genauer definieren, wenn man das Sanskrit-Wort dharma benutzt.   Dharma ist die untrennbare Eigenschaft einer Sache, die sie zu dem macht, was sie ist. Der dharma eines Steines besteht darin, hart zu sein, Wasser ist nass, Feuer heiß und Zucker süß.   Der dharma des Lebewesens ist Bhakti. Wir existieren, um uns liebevoll mit Gott auszutauschen und Ihm in Hingabe zu dienen. Alle religiösen Schriften der Welt, die dieses Prinzip lehren, fördern Bhakti.
Weltreligionen
Zu Beginn der Schöpfung sprach Krishna das in den Veden enthaltene Wissen, das für die gesamte Menschheit bestimmt ist. Die Veden offenbaren das Wesen der Realität, sowohl materielle als auch spirituelle Bereiche, und führen die Menschheit sorgsam zum Ziel, Liebe zu Gott.   Durch die Einflüsse der Zeit kann Krishnas ursprüngliche Botschaft verloren gehen oder Schaden nehmen. Deshalb erneuert Krishna Seine Lehre und passt sie immer wieder den neuen Bedingungen an. Er kommt selbst, schickt Seinen Vertreter oder ermächtigt reine Seelen, an Seiner Statt zu sprechen. Wir alle kennen die kraftvollen Botschaften großer Seelen wie Jesus Christus, Buddha und Mohammed und ihre Auswirkungen auf die Menschheit.   In der vedischen Tradition heißt es, dass Krishna im Jahre 2977 v. Chr. Selbst auf die Erde kam. Er blieb 120 Jahre und sprach die Bhagavad-Gita. Und im Jahre 1486 kehrte er als Sri Caitanya zurück.   Unglücklicherweise können auch die reinen Lehren von Krishnas Vertretern mit der Zeit verfälscht werden, und viele Sekten kommen auf, die sich auf unvollständige Wahrheiten gründen. Doch jeder, der ernsthaft Krishnas ermächtigtem Vertreter nachfolgt, ohne die Botschaft zu verändern, kann stetigen spirituellen Fortschritt machen.
Vollkommenes Wissen
Beim Versuch die Wirklichkeit zu begreifen, stehen uns im Wesentlichen drei Vorgänge zur Verfügung:
  1. direkte Wahrnehmung,
  2. Analyse und Hypothese,
  3. von Autoritäten hören.
  Wissen, das sich aus direkter Wahrnehmung, Analyse und Hypothese herleitet, ist von Natur aus auf das beschränkt, was unsere Sinne oder wissenschaftlichen Instrumente erfassen können. Doch besteht reichlich Grund zu der Annahme, dass die Wirklichkeit auch Dinge enthält, die sich jenseits der Reichweite unserer Sinne befinden. Wie lässt sich dieses Reich erschließen? Oder, um es direkter zu sagen, rechnen wir wirklich damit, Gott mit unseren Mikroskopen und Teleskopen zu finden?   Die vedische Tradition vertritt die Auffassung, dass das Hören von Autoritäten die überlegene Methode ist.   Die vedische Methode besteht darin, von Quellen innerhalb der spirituellen Welt über diese zu hören. Diese Quellen können Gott Selbst sein, Seine reinen Geweihten, die mit Ihm in Kontakt stehen, und Seine Worte in den Schriften. Obwohl es natürlich ist, bei der Behauptung einer spirituellen Offenbarung skeptisch zu sein, erlangen Schüler der Bhakti einen immer tieferen Glauben in die Echtheit der Schriften und Heiligen der Bhakti-Tradition – so rein und machtvoll ist ihre Botschaft.
Glaube

„Durch das Darbringen transzendentalen liebevollen Dienstes für Krishna führt man automatisch auch sämtliche untergeordneten Tätigkeiten aus. Diesen vertrauensvollen, starken Glauben, der der Ausübung hingebungsvollen Dienstes sehr zuträglich ist, nennt man sraddha.“ – Caitanya Caritamrita Madhya Lila 22.62

Atheisten und Agnostiker verunglimpfen Religion und sagen, sie gründe sich auf Glauben. Damit deuten sie stillschweigend an, dass ihre eigenen Einstellungen dies nicht täten.   Glauben findet man jedoch nicht allein auf dem Gebiet der Religion. Atheisten hegen den Glauben, es gäbe Gott nicht. Agnostiker sind davon überzeugt, Gottes Existenz könne niemals bewiesen werden.   Warum glauben unterschiedliche Menschen an unterschiedliche Wirklichkeitskonzepte? Unsere Überzeugung ist nicht allein unsere eigene Wahl. Viele Faktoren wirken sich auf unseren Glauben aus, insbesondere unsere Handlungen in vergangenen Leben (unsere gegenwärtigen Überzeugungen sind Teile unseres Karma) und die verschiedensten Einflüsse in diesem Leben (unsere Familie, unsere Freunde, Schule, was wir lesen usw.).   Sri Krishna sagt in der Bhagavad-gita, dass die drei Erscheinungsweisen der Natur Tugend, Leidenschaft und Unwissenheit einen vorrangigen Einfluss auf unser Leben ausüben. „Gute“ Menschen fühlen sich z.B. häufig zu Gott hingezogen. In anderen Worten, ihre Verbindung mit der Erscheinungsweise der Tugend inspiriert den Gottesglauben.   Menschen auf dem Pfad der Bhakti nähren ihren Glauben an Gott, indem sie mit Gottgeweihten Gemeinschaft halten, Schriften lesen, die die Hingabe zu Ihm hervorheben, reine Leben führen usw. Aus diesem Glauben erwächst zunächst spirituelle Zuneigung zu Krishna und schließlich reine Liebe zu Ihm, dem Ziel des Lebens.
Soziales System
Vor dem Hintergrund, dass das menschliche Leben für spirituellen Fortschritt bestimmt ist, empfehlen die vedischen Schriften ein Gesellschaftssystem, welches die Menschheit materiell und spirituell in vier Berufsgruppen und vier Lebensabschnitte unterteilt. Diese Gruppierungen sind überall auf der Welt zu beobachten und haben nichts mit der Familie zu tun, in die man hineingeboren wurde. Die vier Berufsgruppen sind die Intellektuellen, die Regierenden und Soldaten, die Kaufleute und Bauern sowie die Arbeiterklasse. Und die vier Lebensabschnitte sind der Ausbildungsabschnitt, das Ehe- und Arbeitsleben, der Ruhestand und die entsagte Lebensstufe, in welcher man vollständige spirituelle Hingabe verwirklicht.   Wenn alle entsprechend ihrer eigenen Natur untergebracht sind, ist das soziale Wechselspiel ausgeglichen. Mitglieder einer friedlichen Gesellschaft können sich auf spirituelle Inhalte konzentrieren, und jeder sollte sich motiviert fühlen, seine Arbeit Gott darzubringen. Das vedische System geht davon aus, dass in einer Gesellschaft Frieden und Wohlstand herrschen, wenn die Menschen Gott ins Zentrum ihres Lebens einbeziehen. Es legt die Betonung auf einfaches, bedachtes Leben mit Respekt und Schutz für jede Person, die Umwelt und alle Lebewesen im Einklang mit Krishnas natürlichen Gesetzen.
Sexualität
Die materielle Energie degradiert die wunderbaren Eigenschaften, die wir Seelen in unserem reinen Zustand besitzen. Unsere bedeutendste Eigenschaft ist unsere natürliche Liebe für Krishna. In Berührung mit der materiellen Energie verwandelt sich diese Liebe in Lust, besonders in Gestalt sexueller Anziehung.   Sexuelle Wünsche sind ein kräftiges Seil, das uns Leben für Leben an die materielle Welt fesselt, so erklären die Veden. Und da das menschliche Leben dazu bestimmt ist, uns aus dieser Welt zu befreien und zu Krishna zurückzukehren, ist die Art und Weise, wie man mit sexuellen Wünschen umgeht, für jeden Spiritualisten von besonderer Wichtigkeit.   Sexualität zerstreut die menschliche Energie und lenkt den Geist ab wie keine andere Aktivität. Wer es auf irgendeinem Gebiet zu Höchstleistungen bringen will, legt häufig Wert auf sexuelle Abstinenz. Dies gilt besonders für die, die spirituelle Vollkommenheit anstreben, weil Sex den Menschen auf das Körperbewusstsein reduziert.   Gesunde Sexualität bedeutet, seine Bedürfnisse auf regulierte Art und Weise auszuleben, mit dem Plan, die Notwendigkeit und den Wunsch für Sexualität aufzugeben. Das beste Prinzip ist, Sexualität nur in der Ehe und zur Fortpflanzung einzusetzen – mit der Absicht, Kinder in die Welt zu setzen und sie im Krishna-Bewusstsein zu erziehen.
Moral

„Durch seine Arbeit, seine Gedanken und Worte muss ein intelligenter Mensch so handeln, dass er allen Lebewesen in diesem und im nächsten Leben nützt.“ - Caitanya Caritamrita Adi 9.43

Woher sollen wir wissen, was richtig und was falsch ist? Gibt es einen absoluten Moralstandard?   Nach der Lehre der Veden wie der anderer religiöser Traditionen bestimmt Gott, was richtig und was falsch ist. Seine absoluten Worte bestimmen den Standard für Moral. Ohne Gott hat erfundene Moral keinen nachhaltigen Nutzen.   Die vedischen Verhaltensregeln ziehen Zeit, Ort und Umstände in Betracht – und sogar die Entwicklungsstufe der eigenen Spiritualität. Ein Mensch zum Beispiel, der spirituell fortgeschritten ist, verpflichtet sich einem höheren Standard an Mitgefühl, Selbstkontrolle, Wohltätigkeit und anderen guten Eigenschaften.   Das höchste Moralprinzip besteht darin, sich Gott und den Lebewesen gegenüber so zu verhalten, dass spiritueller Fortschritt gefördert wird. Alles gehört Gott und soll in Seinem Dienst benutzt werden. In dem Maße, wie wir Gott näher kommen, lieben wir auch alle Geschöpfe Gottes und respektieren die Rechte anderer, einschließlich der Tiere.   Aus Dankbarkeit wendet sich jemand auf dem Pfad der Bhakti sowohl Gott als auch der Welt zu. Er weiß, dass man anderen am besten beisteht, wenn man ihnen hilft, sich spirituell zu entwickeln. Moralisches Verhalten bedeutet materielle Wohltätigkeit, muss letztendlich aber fruchtlos bleiben, wenn spirituelles Wissen fehlt.
Wichtige Ereignisse
Da das Leben dazu bestimmt ist, das Bewusstsein zu entwickeln und vom Kreislauf der Geburten und Tode frei zu werden, segnen die Veden wichtige Ereignisse im Leben eines Menschen durch religiöse Zeremonien. Diese Zeremonien dienen dazu, uns an das spirituelle Ziel des Lebens zu erinnern.   Zeugung, Geburt, Namensgebung, der Zeitpunkt, an dem das Kind das erste Mal feste Nahrung zu sich nimmt, Einschulung, spirituelle Einweihung, Heirat und Tod sind Ereignisse, für die die Veden besondere Zeremonien vorsehen. Die dort beschriebenen Rituale sind ziemlich komplex, die Veden sagen aber auch, dass das Chanten des Hare Krishna Mantra einen so starken Einfluss hat, dass dadurch jedes Ereignis geheiligt wird.