Tricks bei Internetschlachten

Unseriöse Methoden zur Rekrutierung von Anhängern

Es wird vielen, die im internet nach Krishna surfen, auffallen, dass ein breit angelegter Angriff auf die ISKCON im Gange ist. Die IRM (Abkürzung von ISKCON Revival Movement) übt sich sehr stark unter verschiedenen Namen und Adressen, tarnt sich sogar als ISKCON, um uninformierte zu verdutzen: "Alle ISKCON-Gurus sind unautorisiert", "Die Bücher von Shrila Prabhupada wurden vom BBT verfälscht", "Nach Shrila Prabhupada kann es keine einweihenden spirituellen Meister mehr geben", "ISKCON hat die ursprüngliche Kraft verloren", "Nur Korruption und Vetterwirtschaft im GBC (Governing Body Commission: Leitungsorgan der ISKCON)" usw. Im wesentlichen vertritt die sogenannte ISKCON-Reform-Bewegung (IRM) die Theorie, Shrila Prabhupada nehme immer noch Schüler an, obwohl er dem sichtbaren Feld der meisten entschwunden ist. Priester (sogenannte Ritviks) sollten neue Ordensmitglieder in die ISKCON aufnehmen und zwar als Schüler von Shrila Prabhupada. Sie stützen sich auf eine Anweisung von Shrila Prabhupada vom 9. Juli 1977. Der damalige Sekretär hatte Shrila Prabhupada mitgeteilt, dass es viele Schüleranwärter gebe, die auf die Einweihung warteten, während Shrila Prabhupada nicht die Zeit hatte und auch nicht in einem entsprechenden Gesundheitszustand war, all die Einweihungszeremonien selbst zu leiten. Daher ermächtigte Shrila Prabhupada Priester, die Einweihungszeremonien an seiner statt durchzuführen. Noch am 28. Mai 1977 hatte Shrila Prabhupada in einem Gespräch, erklärt, dass während seiner für uns sichtbaren Anwesenheit seine Schüler noch nicht als einweihende Gurus auftreten sollten, aber nach seinem Verscheiden. Dieser Logik folgend führte man alle Einweihungskandidaten eben zu Shrila Prabhupada und er behalf sich aufgrund des Staus dieser von ihm benannten Priester. Es war jedoch klar, dass nach dem Verscheiden von Shrila Prabhupada dann erfahrene Schüler die Aufgaben einweihender spiritueller Meister übernehmen würden. Niemand stellte dies in Frage, da dies sowohl die Gaudiya-Vaishnava-Tradition so vorsieht als auch von Shrila Prabhupada bestätigt worden war. Die Anweisung vom 9. Juli 1977 war eindeutig eine Anweisung zur Behebung des Einweihungsstaus. Die IRM nun stellt das in Frage und behauptet, in ISKCON sei niemand befugt, Schüler anzunehmen. Die Anweisung vom 9. Juli 1977 sei für alle Zeit gültig. Alle neuen Ordensmitglieder der ISKCON seien direkte Schüler von Shrila Prabhupada. Das Gespräch vom 28. Mai 1977 habe durch die Anweisung vom 9. Juli 1977 seine zukunftsweisende Relevanz verloren.

Diese insbesondere im internet geführte Schlacht hat ihre Ursachen hauptsächlich in der bisher relativ hohen Ausfallquote der ISKCON-Gurus, was die ISKCON bedauert. Dennoch sollte jeder, der sich mit moderner Propaganda auskennt, skeptisch werden, wenn hier in dieser Weise pauschal alles nieder gemacht werden soll. Da kommt spontan der Verdacht auf, dass diejenigen, die hier praktisch allen ISKCON-Kräften die Autorisation absprechen, selbst - aufgrund ihrer nicht autorisierten Vorgehensweise - ein schlechtes Gewissen haben. Sie behaupten, die jetzigen ISKCON-Kräfte seien fehl am Platz, können aber praktisch nicht nachweisen, wie sie dazu kommen, sich nun als die wahren ISKCON-Vertreter aufzuspielen, obwohl sie nie durch einen gültigen ISKCON-Beschluss ermächtigt wurden, Schüler im Namen von Shrila Prabhupada einzuweihen. Wir werden nicht mit Schlammschlachtmethoden entgegnen, sondern es dem kritischen Beobachter überlassen, was er von all dem hält.

Das Hauptanliegen von IRM, die Schülernachfolge nach Shrila Prabhupada zu stoppen, möchten wir kurz beleuchten:

Shrila Prabhupada führt aus (in ähnlicher Weise in unzähligen Versionen in unzähligen seiner Kommentare):

"Nur reine Geweihte Krishnas können andere zum reinen hingebungsvollen Dienst führen. Es ist daher wichtig, dass die Prediger der Hare-Krishna-Bewegung reine Geweihte werden sollen ... Wenn ein Prediger sich richtig verhält, wird er fähig sein, andere zu bekehren. ..." (Chaitanya Caritamrita, Madhya-lila 24.98, Kommentar)

Shrila Prabhupada wollte, dass die ISKCON-Prediger reine Geweihte Shri Krishnas werden, um unzählige Schüler anzunehmen und die Bewegung für Krishna-Bewusstsein im Einklang mit der jahrtausende alten Tradition überall zu verbreiten. Es erniedrigt Shrila Prabhupadas Ansehen, wenn man behauptet, keiner seiner Nachfolger solle qualifiziert sein, die Konvertierung von Anwärtern zu befördern. Wir sind uns darüber einig, dass Shrila Prabhupada jedermanns belehrender spiritueller Meister werden kann, wenn der Kandidat sich seine Botschaft zu Herzen nimmt. Dennoch möchte Shrila Prabhupada sehen, dass die Prediger seiner Bewegung auch selbst spirituelle Verantwortung übernehmen und durch ihr eigenes Beispiel und ihre eigene Reinheit andere transformieren, sie anleiten. Sie sollen damit alle Funktionen einweihender spiritueller Meister ausüben.

Aber selbst wenn man theoretisch annähme, die Philosophie der Ritviks stimme (was nicht der Fall ist), so bliebe die Auseinandersetzung der Streit um des Kaisers Bart. Shrila Prabhupada steht nämlich in ISKCON im Mittelpunkt des Interesses, was ja das Hauptanliegen der IRM ist. Die spirituellen Meister verstehen sich als Assistenten, die ihre Schüler zu Shrila Prabhupada, der Schülernachfolge und Shri Chaitanya hinführen. Sie sehen sich nicht als gesonderte Retter, sondern als die Diener des Retters. Der Unterschied zur Ritvik-Philosophie ist nur der, dass die ISKCON-Gurus sich gegenüber ihren Schülern verpflichten, treu zur Tradition und zu den Schülern zu bleiben. Mit anderen Worten: Sie versprechen, mit ihren Schülern durch dick und dünn zu gehen. Der ritvik-Priester hingegen hat diese Pflicht nicht, sondern hofft darauf, dass Shrila Prabhupada die Verantwortung für alles trägt. Die ISKCON-Gurus versuchen, Shrila Prabhupada Last abzunehmen, während die ritvik-Priester alles Shrila Prabhupada aufbürden möchten. Die Zwietracht, die sie säen, ist eine zusätzliche Widrigkeit für Shrila Prabhupada und seine Bewegung. Im Christentum sehen wir dieselbe Abweichung: Alles wird Jesus Christus aufgebürdet, während sich die Allgemeinheit als schwach einstuft und die Sündenlast auf Jesus abwälzt. Das ist bequem aber gleichzeitig extrem widerwärtig. Man hängt den Messias ans Kreuz und lässt ihn für sich leiden, anstatt Verantwortung für sich selbst und seine Schützlinge zu übernehmen.

In der ISKCON hingegen sieht man ein, dass es viele Anlaufschwächen und Ausfallerscheinungen gab. Man läuft nicht davon, sondern arbeitet an der Reinigung des ISKCON-Hauses, was mit der Reinigung bei einem selbst anfängt. Man wirft nicht die Flinte ins Korn und proklamiert den spirituellen Bankrott, um alles Shrila Prabhupada zu überlassen, sondern man möchte spirituelle Vorbilder in der Nachfolge Shrila Prabhupadas hervorbringen, die in der Gesellschaft von heute dringender gebraucht werden denn je und die auch in persönlicher Verantwortung Führungsqualitäten hinsichtlich der Rettung spiritueller Seelen entfalten. Selbstverständlich werden sie dabei von Shrila Prabhupada unterstützt, jedoch wünscht sich dieser - wie jeder gute Vater - , dass auch seine Söhne und Töchter in jeder Hinsicht glorreich werden.

Letztendlich ist es absurd, Schüler auf jemanden einzuweihen, der im allgemeinen nicht mehr gefragt werden kann, ob das noch in seinem Sinne ist. Die Anweisung vom 9. Juli 1977 ändert daran nichts, denn Shrila Prabhupada konnte sie jederzeit widerrufen. Jetzt möchte die IRM sie für alle Zeit aufrecht erhalten. Dadurch degradiert man Shrila Prabhupada zu einem Befehlsempfänger, der für immer alles annehmen soll, was man ihm vorlegt. Dies widerspricht eben den Prinzipien der Gaudiya-Vaishnava-Tradition, dem gesunden Menschenverstand und auch der Definition eines Schüler-Meister-Verhältnisses. Jemand, dem ein Schüler angetragen wird, muss die für den Schüler wahrnehmbare Entscheidung darüber haben, ob er einen spezifischen Schüler annehmen möchte oder nicht. Alles andere ist Einbildung nach dem Motto "Ich bin der Schüler von Cäsar". Sobald jemand dem beobachtbaren Erfahrungsraum entschwindet, ist die Begründung einer Schülerschaft nicht mehr möglich. Das bedeutet nicht, dass ein Verschiedener kein Guru sein kann. Ein Guru hat verschiedene Funktionen. Er inspiriert, er weiht in transzendentales Wissen ein, er transformiert. All das tut Shrila Prabhupada für uns, solange wir uns an ihn halten. Jedoch können wir nicht behaupten, er habe uns als Schüler angenommen, solange wir es nicht gesehen haben. Wir machen die praktische Erfahrung, dass Shrila Prabhupada transzendentales Wissen verbreitet, wenn wir seine Bücher lesen. Dennoch können wir uns ihm nicht als seine Schüler aufdrängen.

Die IRM macht aus diesem Streit um des Kaisers Bart einen riesigen Wirbel ohne Rücksicht auf Verluste, ohne zu sehen, dass Shrila Prabhupada, dem sie zu dienen glauben, im praktischen Predigen nie Wert auf komplizierte Konstruktionen gelegt hat. So sagte er:

"Every student is expected to become Acarya. Acarya means one who knows the scriptural injunctions and follows them practically in life, and teaches them TO HIS DICIPLES ... Keep trained up very rigidly and then you are bona fide Guru, and you can accept disciples on the same principle. But as a matter of etiquette it is the custom that during the lifetime of your spiritual master you bring the prospective disciples to him, and in his absence or disappearance you can accept disciples without any limitation. This is the law of disciplic succession. I want to see my diciples become bona fide spiritual masters and spread Krishna consciousness very widely, that will make me and Krishna very happy." (New Delhi, 02.12.1975).

"When I order "you become guru", he becomes regular guru. That's all. ... He becomes disciple of my disciple. That's it!" (Vrindavan, 28. Mai 1977)

So einfach und klar ist die Anweisung Shrila Prabhupadas: Zukünftige Schüler werden die Schüler der Schüler, aber wie es im Kali-Yuga so ist: Die unverschämteste Propaganda findet eben Anklang! Wenn noch Zweifel bestehen sollten, so bitten wir um Rückmeldung!

Euer Diener

Parivadi das

P. S.: Zu angeblichen Verfälschungen an Shrila Prabhupadas Texten siehe auch den Artikel "The Bhaktivedanta Book Trust"